Stellungnahme zum Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Als Mitglied der „Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen“ stehen wir vollumfänglich zur folgenden Stellungnahme der LAG zum Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Landtagswahl gewonnen.

Zwar erreichte die AfD in Sachsen-Anhalt nicht die absolute Mehrheit, nach aktuellem Stand wird sie aber den Ministerpräsidenten stellen und an der Regierung beteiligt sein. Das hat weitreichende Folgen für die Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen sowie für alle engagierten Menschen vor Ort, die nicht in das Weltbild der AfD passen.

Schon im August 2026 machte die AfD mit ihrem Antrag zur Neuausrichtung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes klar, dass sie die Erinnerungskultur, und dabei insbesondere das Gedenken an die Zeit des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur, zugunsten einer Fokussierung auf einen positiven deutschen Geschichts- und Heimatbegriff umbauen möchte. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Was bisher stets als zum Teil verbale Ausrutscher einzelner Parteifunktionäre weggeredet wurde, wird mit dem Antrag nun erstmals von der Bundespartei veröffentlicht. Die AfD macht damit auf Bundesebene deutlich, was aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt bereits bekannt ist. Sie will ein völkisches Geschichtsbild etablieren und die NS-Verbrechen durch die Einbettung in eine vermeintlich multiperspektivische Geschichtserzählung relativieren.

Diese Entwicklung ist mit Blick auf den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt besorgniserregend. Die AfD und ihre Sympathisanten treten mit steigenden Wahlerfolgen lokal wie überregional immer lauter auf und stellen das Gedenken an die Opfer der Verbrechen des NS-Regimes zunehmend öffentlich infrage – in Parlamenten, im gesellschaftlichen Diskurs, aber eben auch in den Gedenkstätten vor Ort. In Sachsen-Anhalt schlug die Landtagsfraktion der AfD 2017 die Einrichtung einer Gedenkstätte für die Opfer der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg vor.

Mit dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt wird der Druck auf die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, die einzelnen Gedenkstätten, Demokratie- und Geschichtsvereine vor Ort sowie Erinnerungsinitiativen größer. Bereits 2017 hat die sachsen-anhaltische AfD beabsichtigt, die landeseigene Gedenkstättenstiftung aufzulösen. Es ist zu befürchten, dass dieses Vorhaben umgesetzt wird, wenn die AfD die Landesregierung stellt. Auch einen Umbau der Landeszentrale für politische Bildung hatte die Partei bereits ins Spiel gebracht. Die AfD greift damit die Grundpfeiler der historisch-politischen Bildung in Deutschland an.

Eine offene, demokratische und pluralistische Gesellschaft braucht historisch-politische Bildung, sie braucht ein umfassendes, differenziertes Geschichtsverständnis und Gedenkstätten als authentische Orte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen steht fest an der Seite der Kolleg:innen in Sachsen-Anhalt. Sie unterstützt die Forderung nach einer rechtlichen Absicherung durch Bund und Länder, um die kritische und unabhängige Gedenkstättenarbeit in Sachsen-Anhalt zu schützen.

Für den Sprecher:innenrat

Thomas Altmeyer, Dr. Ann Katrin Düben, Dr. Katherine Lukat, Judith Sucher

Studienreise nach Westpolen

Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung organisiert gemeinsam mit dem Verein „Wir sind mehr gegen Rechtsextremismus für Demokratie und Toleranz Limburg-Weilburg e.V.“ vom 11. bis 16. Oktober 2026 eine eindrucksvolle und informative Reise nach Westpolen. Im Mittelpunkt steht unter anderem der Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Groß-Rosen. Darüber hinaus erkunden wir das weitläufige Stollensystem „Riese“, das von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern des KZ errichtet wurde.

Ein weiterer Programmpunkt ist der Gedenkort Krzyżowa (Kreisau), der heute als deutsch-polnischer Begegnungsort für Verständigung und europäische Perspektiven steht. Hier traf sich einst der „Kreisauer Kreis“, eine wichtige Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus.

Auch kulturell und historisch bietet die Reise vielfältige Eindrücke: Geplant sind Besuche der zweitgrößten Synagoge Polens in Dzierżoniów (Reichenbach), der Friedenskirche in Świdnica (Schweidnitz) sowie des Schlosses Fürstenstein (Zamek Książ). Ein weiterer Höhepunkt ist der Aufenthalt in Wrocław (Breslau), wo wir zwei Abende und einen ganzen Tag verbringen werden. Neben dem jüdischen Viertel und der Synagoge zum Weißen Storch erwartet Sie auch eine Stadtführung durch das moderne Breslau.

Die Bildungsreise ist als Bildungsurlaub anerkannt und zertifiziert als Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer.

Dank der Förderung durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung sowie des Vereins können wir diese Studienreise zu günstigen Konditionen anbieten:
480 € pro Person im Doppelzimmer bzw. 585 € im Einzelzimmer.

Zusteigen können Sie in Limburg, Frankfurt, Gießen und Bad Hersfeld.

Wir würden uns freuen, Sie auf dieser besonderen Reise begrüßen zu dürfen! Leiten Sie das Angebot auch gern an Interessierte weiter.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Studienreise Westpolen

„Aufstand in Auschwitz“

Am Mittag des 7. Oktobers 1944 bricht vor dem Krematorium IV im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eine Revolte aus. Mehrere Dutzend Häftlinge des jüdischen Sonderkommandos gehen mit selbst hergestellten Waffen und Steinen auf die SS-Offiziere los. Andere versuchen, die Krematorien mit selbstgebauten Granaten in Brand zu setzen.
Die Männer des Sonderkommandos sind Geheimnisträger des grausamen Mordens der Nationalsozialisten und damit selbst zum Tode verurteilt. Alle diese Männer gehörten in Auschwitz Birkenau zu einer streng isolierten Arbeitsgruppe, zu der die SS vornehmlich junge starke jüdische Männer zwischen 25 und 35 rekrutierte. Die Revolte am 7. Oktober 1944 ist der einzige bewaffnete Aufstand, der in Auschwitz jemals stattgefunden hat.
Trailer: Youtube