Wir trauern um Anna Szałaśna

Aus Polen erreichte uns die Nachricht, dass Anna Szałaśna am 18. Februar 2026 im Alter von 99 Jahren in Warschau verstorben ist.

 

Anna Szałaśna wurde am 31. Oktober 1926 in Chryplin in der Woiwodschaft Stanisławów (heute Ukraine) geboren.

Im Jahr 1943 wurde sie von der Gestapo verhaftet und in das Gefängnis in Tarnów gebracht, wo sie brutal verhört wurde. Da sie kein Geständnis ablegte, wurde sie anschließend in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert (Häftlingsnummer 47628).

Im Jahr 1944 war sie im Häftlingskrankenbau (HKB) in Birkenau untergebracht. Dank der Hilfe einer Pflegerin erhielt sie eine sogenannte „Schonungskarte“, die sie von der Teilnahme an den täglichen Appellen befreite. Aufgrund einer Beinamputation infolge einer Bombardierung zu Beginn des 2. Weltkrieges trug Anna Szałaśna eine Prothese.

Im August 1944 wurde sie in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo sie zur Zwangsarbeit in den Siemens-Werken eingesetzt wurde. Im April 1945 konnte sie im Rahmen der Hilfsaktion des Schwedischen Roten Kreuzes unter der Leitung von Graf Folke Bernadotte für die Opfer des NS-Regimes nach Schweden ausreisen, wo sie vorübergehend Aufnahme fand.

Im Sommer 1946 kehrte sie nach Polen zurück, absolvierte das Lyzeum für Erwachsene und legte 1948 das Abitur ab. Anschließend zog sie nach Posen (Poznań) und begann ein Studium der Musikwissenschaft.

Im Jahr 1959 ließ sie sich in Warschau nieder. Dort arbeitete sie am Institut für Kunst der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) und spezialisierte sich auf ethnische Musikwissenschaft.

Anna Szałaśna engagierte sich über viele Jahre hinweg in der Erinnerungsarbeit. Sie war eine enge Freundin der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim. Solange es ihr Gesundheitszustand erlaubte, traf sie dort regelmäßig Jugendliche und andere Besuchergruppen wie auch mehrfach Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Studienfahrten. Dabei berichtete sie eindrucksvoll von ihrem Leben und ihren Erfahrungen. Diese Gespräche haben auch uns nachhaltig bewegt.

Wir waren Anna Szałaśna seit Jahren persönlich verbunden. Unvergessen wird uns die gemeinsame Feier ihres 97. Geburtstages in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim bleiben.

Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihrer Familie. Wir werden ihr immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Vorstand der Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.